Das Weitschbild zeigt nicht

Wilhelm Friedemann Bach

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Falsches Porträt

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Die Nachwelt erfand tollkühne Geschichten, die bis jetzt das Persönlichkeitsbild von Wilhelm Friedemann Bach verfälscht haben. Den Anfang einer wissenschaftlichen Aufarbeitung setzte Dr. Martin Falck im Jahre 1913 mit einer Biographie über Wilhelm Friedemann Bach. Der Erste Weltkrieg ließ eine Neubewertung des Komponisten nicht mehr aufkommen. Dr. Martin Falck ist im Jahre 1914 gefallen.

Im Gedenkjahr 2010, zum 300. Geburtstag, am 22. November, gab es am 7. Und 8. Juni im Händel-Haus Halle eine wissenschaftliche Konferenz. Dort hatte Herr Prof. Dr. Wolfgang Hirschmann von der Martin-Luther-Universität Halle - Wittenberg offiziell verkündet, dass das bekannte Bildnis von Friedrich Georg Weitsch (s. obenstehende Skizze) NICHT Wilhelm Friedemann Bach darstellt. Der zweite Teil der Konferenz hat am 19. und 20. November 2010 in Leipzig stattgefunden. In der bisherigen Literatur ist überliefert, dass Weitsch dieses Bild 1760 malte. Wilhelm Friedemann Bach als 50jährigen Mann zeigt. Der Maler ist aber erst 1758 geboren; zudem weist die Mode in die 90iger Jahre des 18. Jahrhunderts. Und als Musikdirektor des Hauptkirchen von Halle hätte Wilhelm Friedemann Bach niemals in dieser Kleidung auftreten dürfen. Er war 1784 gestorben.

Das Bild trägt unten links die Bezeichnung „FGWeitsch.fec.“. Es handelt sich wahrscheinlich um Johann Christian Bach, der 1743 in Halle geboren wurde und ein Schüler von Wilhelm Friedemann Bach war. Johann Christian Bach (aus der Ruhlaer Linie) war Musiklehrer am Pädagogium in Halle, lebte dort bis 1814. In der Fachliteratur trägt er den Beinamen „Clavier-Bach“ (S. Kurt, Hermann Frickel: Genealogie der Musikerfamilie Bach von 1994, Seiten 56 und 155). Das Ölgemälde ist ein Geschenk an die Stadt Halle von Frl. Liselotte Bach, einer Nachfahrin von Johann Christian Bach.

Einem eventuellen Einwand, dass dieses Bild nach Wilhelm Friedemann Bachs „Tod“ entstanden sein könnte, möchte ich entgegensetzen, dass diese Gesichtszüge dann möglicherweise nachträglich hinein interpretiert worden wären. Gewisse Ähnlichkeiten sind innerhalb des Bachstammes naturgegeben. Das Weitschbild konnte niemals zweifelsfrei Wilhelm Friedemann Bach zugeschrieben werden. Herr F. Lacher hat seine Doktorarbeit über Friedrich Georg Weitsch geschrieben:

Reimar. F. Lacher: Friedrich Georg Weitsch (Braunschweig 1758-1828) 3, Berlin 2005, Gebr. Mann Verlag (Phil. Diss. FU Berlin 2003) Seit 2005 im Buchhandel unter ISBN 3-7861-2321-7

Giesela Thielicke